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16.November 2000 - 19 Uhr http://www.gym.moosburg.org/schulleben/beruf/ Gründe
für den Abbruch eines Studiums
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"Von der Schule über das Studium zum Beruf" - ein Weg, der für viele Gymnasiasten zum Teil in Sackgassen endet, der sie zur Umkehr zwingt oder der zumindest mehr Zeit in Anspruch nimmt, als der eine oder andere dafür einkalkuliert hat.
Heute erreichen mit 27,5 Prozent eines Altersjahrgangs doppelt so viele junge Leute das Abitur wie noch 1970. Mit rund 11,5 Prozent erreichen aber kaum mehr als damals einen Universitätsabschluss. Damit führen deutsche Universitäten zu wenige Studenten erfolgreich zum Examen. Gründe dafür liegen einerseits in zunehmenden Studienverzicht bei Abiturienten (in Deutschland streben 20 Prozent der Abiturienten nach dem Schulabschluss kein Studium an, doppelt so viele wie vor einigen Jahren noch) aber vor allem im drastischen Anstieg der Abbrecherquote im Studium.
Untersuchungen des Hochschul-Informations-Systems (HIS) Hannover belegen, dass sich im Vergleich zu den 70er Jahren die Abbrecherquote (Anteil der Abbrecher an den Studienanfängern) verdoppelt hat. Von 1,8 Mio. Studenten verlassen jährlich rund 70.000 die Hochschulen ohne Abschluss. Damit ist der Anteil der Studienabbrecher auf über 30 Prozent gestiegen.
International liegt Deutschland im Mittelfeld:
10% brechen in Japan, 14% in Belgien, 49% bzw. 71%
in Spanien und Italien das Studium ab.
Das etwas anders geartete Modell der Fachhochschulen - vorgegebene Stundenpläne für die Studierenden, praxisorienterteres Arbeiten durch die Praktikumssemester - scheint hinsichtlich der Abbruchquote erfolgreicher zu sein: mit 20% liegt man deutlich unter der an den Universitäten. Herr Prof. Wolf von FH Landshut wird es gerne hören.
Einige Beispiele aus oben erwähnter HIS - Studie:
von 100 Studenten in den Lehramtsstudiengängen,
in Maschinenbau und in Jura beenden 40 ihr Studium vorzeitig ohne Abschluss.
Bei den Elektrotechnikern und in der Physik sind es 50, bei den Wirtschaftswissenschaftlern
und Informatikern 60, bei den Mathematikern sogar 70 Prozent.
Wer z.B. nur Informatik studiert, weil dies gute
Berufsaussichten verspricht aber keine spezielle Motivation verspürt,
wird wohl eher zu den 60 bzw. 70% gehören.
Die Zahl der Universitätsabsolventen in Deutschland reicht nicht aus, um die in den nächsten Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheidenden Akademiker zu ersetzen. Bildungsforscher prophezeien der Bundesrepublik in den kommenden Jahren einen "erheblichen Akademikermangel". Die Green-Card-Debatte sei nur "ein erster Vorbote" dieser Probleme.
Was sind die Gründe für einen Studienabbruch:
Mitte der 70er Jahre dominierten vor allem zwei Faktoren für eine vorzeitige Exmatrikulation: zu hohe Studienanforderungen bzw. zu schwache Studienleistungen sowie eine mangelnde Identifikation mit dem Studienfach.
In den letzten 10 Jahren hat die Komplexität
der Gründe zugenommen, es sind meist mehrere Gründe, die zur
Aufgabe führen:
Von zwei Drittel wird das Studium aufgegeben, weil
man im konkreten Studienfach für sich schlechte Berufs- und Arbeitsmarktchancen
prognostiziert,
aber gleichzeitig in anderer Hinsicht - z. B. durch schon erworbene oder
noch zu erwerbende Berufsausbildung, auch durch Studienqualifikationen
- gerade jetzt günstige berufliche Erwartungen hegt.
Nicht weniger Bedeutung ist einer mangelnden Studienidentifikation zuzumessen. Fast drei Viertel der Abbrecher geben an, dass sie das falsche Studienfach gewählt haben bzw. dass ihr Fachinteresse nachgelassen hat. Die Verdoppelung dieses Anteils in den letzten zwanzig Jahren läßt berechtigt vermuten, daß der Zuwachs an Studierenden im gleichen Zeitraum nicht einherging mit einer Zunahme von Fachverbundenheit und Studiengewißheit, sondern dass sich umgekehrt unsichere Studienwahl und falsche Studienvorstellungen vermehrt haben.
Ferner fehlt es vielen an Sicherheit darüber, warum das gewählte Fach für sie geeignet ist, was sie im Studium erwartet und welche Ziele sie mit ihrem Studium verfolgen wollen bzw. können.
Gewachsen ist auch der Anteil jener Studienabbrecher, die Schwierigkeiten mit den Studienbedingungen konstatieren, denen es nicht gelungen ist, mit mangelnder Betreuung, ungenügender Didaktik oder schlechter Studienorganisation zurecht zu kommen.
Mehr denn je führen auch finanzielle Schwierigkeiten zum Studienabbruch.
Immerhin verweisen fast zwei Fünftel der vorzeitig Exmatrikulierten auf entsprechende Sorgen. Die Unvereinbarkeit von Nebenerwerbstätigkeit und Studienanforderungen machen jedoch nicht nur den Universitäten Sorgen, sondern auch wir Gymnasiallehrer hoffen immer mehr, dass unsere Schüler neben ihren Jobs am Flughafen bzw. bei McDonalds genügend Zeit finden, ihrer Unterrichtsverpflichtung nachzukommen.
Der Anteil anderer "klassischer" Abbruchgründe - wie familiäre Probleme oder Leistungsüberforderung - hat sich laut HIS nicht vergrößert. Im Kontext der dargestellten Entwicklung kann dies letztlich nur bedeuten, dass ihr Stellenrang sich verringert hat. Natürlich heißt das nicht, sie wären ohne Bedeutung.
Noch immer äußert rund ein Drittel der Studienabbrecher Leistungsprobleme. Bei den wenigsten allerdings steht dahinter ein Prüfungsversagen. Viel häufiger wird auf Schwierigkeiten verwiesen, sein Studium zwischen den Ansprüchen der Lehre, denen des Jobs und den Anforderungen des Alltags zu organisieren. Die Überforderung stellt sich dann eher durch die Unübersichtlichkeit der Studien- und Lebenssituation ein.
Hundertprozentige Erfolgsquoten gibt es aber auch nicht einmal an Eliteuniversitäten - auch in Harvard beträgt die Abbruch-Quote 10%. Wer nach dem ersten Semester abgeht, weil er andere Ziele hat, ist nicht zu kritisieren. 31% der Abbrecher verschwenden allerdings im Durchschnitt 7 Semester bis zu ihrem Ende an der Uni.
Frau Christine Brinck, Bildungsexpertin aus München, sieht darin den Beweis einer privaten Fehlentwicklung, aber auch der Fehlsteuerung gesellschaftlicher Ressourcen: "durch Beratung, Auswahl und Betreuung könnte beides vermieden werden". Auch die HIS-Studie weist in ihrer Schlussfolgerung auf die Notwendigkeit einer frühzeitigen und besseren Information über Studienfach und -organisation hin.
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